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19.07.2018

Elsevier sperrt Online-Zugang zu aktuellen Zeitschriften-Artikeln

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Elsevier sperrt Online-Zugang zu aktuellen Zeitschriften-Artikeln

Am 03.07.2018 ist erneut eine Verhandlungsrunde zwischen DEAL-Vertretern und Elsevier ergebnislos ausgegangen. Während der Verlag den Zugriff in den vergangenen Monaten trotz Kündigungen noch unaufgefordert ermöglichte, hat er nun alle Zugänge auf den aktuellen Jahrgang gekappt. Betroffene Einrichtungen haben sich auf die Abschaltung vorbereitet, um eine akzeptable Versorgung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Elsevier-Publikationen sicherzustellen.

Das DEAL-Projektteam bemüht sich unter Federführung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und im Auftrag der Allianz der Wissenschaftsorganisationen seit 2016 darum, mit großen Verlagen bundesweite Lizenzen abzuschließen, die den Zugriff auf alle Zeitschriften des Verlages und ein Publizieren im Open-Access für Angehörige deutscher Wissenschaftseinrichtungen zu fairen Preisen erlauben.

Mit den Verlagen Wiley und Springer/Nature sind inzwischen Übergangsverträge geschlossen worden. Der Verlag Elsevier zeigt sich hingegen weiterhin nicht bereit, für die Wissenschaft finanzierbare Leistungen mit Open-Access-Optionen anzubieten. Trotz der bereits bestehenden 40prozentigen Umsatzrendite setzt der Verlag weiterhin auf massive Preissteigerungen. Das bisherige Angebot des Verlags liegt im dreistelligen Millionenbereich und lässt wesentliche Fragen zum Leistungsumfang offen.

Wie wir bereits berichteten, haben inzwischen mehr als 200 deutsche Wissenschaftseinrichtungen ihre Verträge mit Elsevier gekündigt, aus Protest gegen die Preispolitik des Verlages und zur Unterstützung der DEAL-Verhandlungen. Auch die Berliner Universitäten und die Charité hatten ihre Ende 2017 auslaufenden Verträge mit Elsevier nicht verlängert und damit in Kauf genommen, auf Elsevier-Artikel, die ab 01. Januar 2018 erscheinen, nicht mehr zugreifen zu können.

Am 03.07.2018 ist erneut ein Verhandlungstermin zwischen DEAL-Vertretern und Elsevier ergebnislos ausgegangen. Während der Verlag den Zugriff in den vergangenen Monaten trotz Kündigungen noch unaufgefordert ermöglichte, hat er nun den Zugang zu Zeitschriftenartikeln von Elsevier und Cell-Press ab 01.01.2018 gekappt. Die Verhandlungen wurden erneut unterbrochen, wenn auch nicht abgebrochen. Über den weiteren Gang der Verhandlungen werden wir Sie auf dem Laufenden halten.

Alternative Wege, Zeitschriften-Artikel zu beschaffen – legal und überwiegend kostenfrei

Der Zugriff auf Elsevier-Artikel aus zurückliegenden Jahrgängen, für die Archivrechte erworben wurden, bleibt erhalten. Ebenso verfügbar sind natürlich Elsevier-Artikel, die seit dem 01.01.2018 Open Access erschienen sind.

Benötigen Sie aktuelle Elsevier-Zeitschriftenartikel, die seit dem 01.01.2018 erschienen und nicht Open Access sind, nutzen Sie Möglichkeiten der legalen, alternativen Beschaffung.

Bei der Suche in Datenbanken wie Pubmed (unbedingt über folgenden Link: Zugang zu PubMed) oder Web of Science wird Ihnen zu jedem Treffer ein SFX-Menü angeboten, das alle möglichen Zugänge zum gewünschten Artikel – auch frei verfügbare/Open Access Artikel – darstellt.
Konkrete Artikel können Sie alternativ auch über den Citation Linker suchen. Auch hier erhalten Sie ein SFX-Menü mit den erforderlichen Informationen.

Gibt es keinen funktionierenden Link zum Volltext, können Sie den gewünschten Artikel unmittelbar über den Service „Dokument bestellen über Doctor-Doc“, der ebenfalls im SFX-Menü angeboten wird, bestellen. Die Medizinische Bibliothek wird sich dann bemühen, die gewünschten Artikel für Sie über Fernleihe oder Dokumentlieferdienste zu beschaffen. Dieser Service ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Charité wie gewohnt kostenlos.

Über die Nutzung von SFX werden frei verfügbare Versionen benötigter Zeitschriftenartikel über die Bielefeld Academic Search Engine BASE und den Digital Open Access Identifier DOAI gleich mit abgefragt.

Für Ihre Web-Recherche sind darüber hinaus folgende Tools hilfreich:

Die Plattform unpaywall etwa bietet über 18 Mio frei zugängliche Artikel. Die praktische, kostenlose Browser-Erweiterung von unpaywall zeigt Ihnen frei verfügbare Artikel während ihrer Web-Recherche an. Auch die Suche über Open Access Button kann durch ein Firefox Add-On noch vereinfacht werden.

Nutzen Sie auch die Möglichkeit des direkten Austauschs von Artikeln über Ihre wissenschaftlichen Kontakte. Autorinnen und Autoren stellen oftmals auch Versionen ihrer Artikel aus lizenzpflichtigen Zeitschriften über wissenschaftliche soziale Netzwerke oder Repositorien bereit (sogenannter Green Open Access).

Illegal

Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen auch illegale Plattformen, sogenannte Schatten- oder Piratenbibliotheken. Von ihrer Nutzung können wir nur abraten.
(Vgl. Daniel S. Himmelstein et. al.: Sci-Hub provides access to nearly all scholarly literature. eLife 2018;7:e32822 und den Blog-Beitrag von D. Strecker auf iRIGHTS-Info: Schattenbibliotheken: ein Krisensymptom der Wissenschaft ).

Das Ziel im Blick behalten: bessere Informationsversorgung zu fairen Preisen

Für vorübergehende Einschränkungen in der Informationsversorgung bitten wir in Erwartung erfolgreicher DEAL-Verhandlungen um Ihr Verständnis. Es ist jetzt wichtig, dass die Wissenschaftseinrichtungen zusammenstehen, um schließlich eine bessere Informationsversorgung zu fairen Preisen zu erreichen. In diesem Zusammenhang bitten wir Sie auch darum, Angebote des Verlages zu Einzelgesprächen und -verhandlungen nicht anzunehmen.

Kontakt

Das Fernleih-Team der Medizinischen Bibliothek ist erreichbar unter



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